Wald der starken Bäume – Warum die Eiche für den Wald in Groß-Gerau besonders wichtig ist

29.07.2020

Waldspaziergang im Rahmen der Deutschen Waldtage am 18. September 2020 im Staatswald Groß-Gerau

Nicht nur die nordhessischen Fichtenbestände sterben in diesen Tagen flächig ab, auch die Wälder in der Rhein-Main-Ebene, mit einem hohen Anteil an heimischen Laubhölzern, leiden massiv unter den letzten Dürrejahren. Der Wald im Kreis Groß-Gerau zeigt aktuell auf den unterschiedlichsten Bodenbedingungen starke Schädigungen. Auf größeren Flächen wird mit einem kompletten Absterben der Altbestände gerechnet. Betroffen sind zurzeit vor allem Kiefern, Buchen, aber auch die Eschen und alle Ahornarten. Bei Kiefer, Esche und den Ahornen spielen Pilzerkrankungen eine gewichtige Rolle. Pilze, die schon immer auf den Bäumen vorkamen, führen bei den durch Trockenheit und Hitze geschwächten Bäumen dann letztendlich zum Absterben.

Die heimische und um Groß-Gerau häufige Eiche scheint zurzeit diese Extrembedingungen noch besser zu verkraften. Dabei zählt sie eigentlich gar nicht zu den „starken Bäumen“. Sie ist unter normalen Bodenverhältnissen der Buche im Konkurrenzkampf um Licht unterlegen. Eichen wachsen deutlich langsamer als Buchen und brauchen besonders in der Jugend mehr Licht. So setzen sich in den natürlichen Verjüngungen meist die Buchen durch. Allerdings wurde die Eiche seit Jahrhunderten durch den Menschen begünstigt. Ihr wertvolles Holz wird als Baumaterial schon immer verwendet. Früher wurde im Herbst das Vieh in den Eichenwald getrieben, um dort die Eicheln als Mastfutter aufzunehmen und so gut genährt über den Winter zu kommen oder in der Pfanne zu landen.

Im Gegensatz zur Buche, die nicht ganz so tief wurzelt, kommt die Eiche als Pfahlwurzler besser mit Staunässe, Überflutungen und auch mit Trockenheit zurecht. Natürlicherweise würden wir Eichen in unseren Breiten nur dort finden, wo die Konkurrenzart Buche Probleme durch Trockenheit oder Nässe bekommt. Solche Bedingungen gab es früher im Kreis Groß-Gerau durch hoch anstehendes Grundwasser und Überflutungen in der Rheinaue. Letzteres kommt noch vor und begünstigt die Eiche, während auf anderen Standorten die Wasserversorgung mittlerweile so stark eingeschränkt ist, dass es auch für die Buche zu trocken wird.

Das Forstamt Groß-Gerau setzt daher bei der derzeitigen Wiederbewaldung auch auf die Eiche. „Zumindest zurzeit ist die Eiche eine wichtige Option beim Kampf um den Walderhalt und Bestandteil unserer Wiederbewaldungsstrategie“ betont Klaus Velbecker, Forstamtsleiter in Groß-Gerau. Dabei spielt auch die Hoffnung eine Rolle, dass sich die jetzt gepflanzten und natürlich verjüngten Eichen gleich an die veränderten Bedingungen anpassen und später das Gerüst für einen stabilen und artenreichen Wald bilden.

Am 18. September findet unter dem Motto „Gemeinsam für den Wald“ der Deutsche Waldtag statt. Das Forstamt Groß-Gerau nimmt den Termin zum Anlass, zu einem geführten Waldspaziergang einzuladen. Dabei geht es vor allem um die Eiche und deren Bedeutung für Walderhalt, Naturschutz und Forstwirtschaft.

Der Waldspaziergang endet an den imposanten Überresten der einstmals mächtigsten Eiche im Groß-Gerauer Wald, der Ludwigseiche (Alter ca. 600 Jahre). Eine zu diesem Anlass erstellte Tafel zur Ludwigseiche, zeigt diese um das Jahr 1900, damals alleine auf entwaldeter Flur.

Treffpunkt der ca. 2,5 stündigen Veranstaltung ist am 18. September um 15.00 Uhr an der Einfahrt zum Wertholzlagerplatz an der B 44 zwischen Groß-Gerau und Mörfelden.  Eine Anmeldung der Teilnehmer beim Forstamt Groß-Gerau per Mail unter forstamtgrossgerau@forst.hessen.de ist Corona bedingt notwendig.