Starthilfe für den Wald – ein etwas anderer Baggereinsatz

07.03.2022

Die vergangenen drei Jahre haben durch Sturmereignisse und Borkenkäferfraß ihre Spuren in den hessischen Wäldern hinterlassen. Waldbesucher finden Schadflächen von mehreren Hektar Größe vor und vielerorts sieht der Wald völlig anders aus als noch vor wenigen Jahren. Diese Freiflächen wieder mit Wald zu begründen, stellt eine große Herausforderung für eine ganze Generation von Forstleuten dar.

Ein bewährtes Verfahren der Kulturbegründung ist die Pflanzung junger Baumsetzlinge, gelegentlich werden neue Baumbestände auch durch eine künstliche Saat begründet. Viele Flächen können sich jedoch auch durch das Samenpotenzial der umstehenden Bäume selber verjüngen – man spricht hier von der Naturverjüngung.

Häufig treffen die anfliegenden Baumsamen dabei allerdings auf ein schwer zu überwindendes Hindernis: mächtige Humusauflagen, die sich auf Freiflächen aus Ästen, Blättern und Nadeln gebildet haben, bedecken den wertvollen Mineralboden, der für die Wasser- und Nährstoffversorgung sowie für die Verankerung junger Bäume unerlässlich ist.

Dass dieses Hindernis jedoch auf schonende Weise überwunden werden kann, zeigt Revierleiter Tobias Behlen auf drei Verjüngungsflächen im Revier Alsfeld. Für diese Flächen von insgesamt etwa einem Hektar Größe engagierte der Förster im Winter 2022 einen Unternehmer, der mit einem Kettenbagger von den langfristig angelegten Arbeitsgassen aus, mit dem Tieflöffel die starken Humusauflagen kleinflächig beiseiteschob und somit den Mineralboden freilegte.

Hier finden die anfliegenden Samen der umstehenden Mutterbäume jetzt optimale Startbedingungen: Vor allem Samen, die mit dem Wind verbreitet werden, wie von Kiefer oder Lärche, wird das Anwachsen auf diese Weise erleichtert. Ziel ist die Umwandlung hin zu stabileren Mischwaldstrukturen zu initiieren.

Naturverjüngung auf Baggerplätzen, Foto: T. Behlen

Dieses natürliche Verjüngungsverfahren „mit Hilfestellung“ birgt viele Vorteile gegenüber der klassischen Pflanzung. So erleiden die jungen Pflanzen, die aus den angeflogenen Baumsamen keimen, keinen sogenannten Pflanzschock, der sich im Zuge des Standortwechsels nach dem Verpflanzen von Baumschulware oder von im Wald geworbenen Wildlingen einstellen kann. Auch sind sie in keiner Weise behandelt, ihre Wurzeln wurden weder beschnitten noch gedüngt und da sie aus der unmittelbaren „Nachbarschaft“ stammen, sind sie für den Standort gut geeignet. Die Kosten für dieses Verfahren beschränken sich mit der Maßnahmenplanung und dem Baggereinsatz auf ein Minimum.

Schon im vergangenen Jahr hatte Tobias Behlen mit diesem Verfahren die Naturverjüngung gefördert und konnte nun erste Erfolge feststellen: Auf den freigelegten Plätzen der ehemaligen Schadflächen sind heute bereits zahlreiche kleine Lärchen und Kiefern, gemischt mit Fichten und Birken zu finden (siehe Bild).